Berufsschullehrer/in werden – Quereinstieg und Voraussetzungen

Du hast Spaß daran, jungen Erwachsenen Wissen praxisnah zu vermitteln und verfügst selbst über eine entsprechende Berufserfahrung? Dann könnte der Quereinstieg als Berufsschullehrer für Dich eine Option sein. Denn aufgrund des akuten Lehrermangels stehen die Chancen für Seiteneinsteiger ohne Lehramtsabschluss so gut wie nie.

 

Sogar ohne Studium ist es Dir unter Umständen möglich, in Deinem Bereich an einer Berufsschule zu arbeiten. Berufsschullehrer sind an kaufmännischen, sozialen und gewerblich-technischen Schulen tätig oder an Berufsschulen für Gesundheitsberufe oder Hauswirtschaft.

 

Neben klassischen Berufsschulen, die Lehrlinge zweimal in der Woche besuchen, hast Du auch die Möglichkeit, an Berufsakademien, Berufsfachschulen und Fachschulen sowohl staatlicher als auch privater Anbieter zu unterrichten. Die Tätigkeit kann dabei in Vollzeit oder als Nebenberuf erfolgen. In der Regel ist es erforderlich, dass Quereinsteiger eine Zusatzausbildung durchlaufen, die das für den Beruf notwendige pädagogische und didaktische Rüstzeug vermittelt.

Quereinstieg Berufsschullehrer

Verdienst als Berufsschullehrer/in

Die Bezahlung als Berufsschullehrer kann sehr unterschiedlich ausfallen. Seit 2006 regeln die einzelnen Bundesländer die Besoldung ihrer Beamten selbst. Berufsschullehrer, die nicht verbeamtet sind, werden meist nach dem Tarifvertrag der Länder (TV-L) bezahlt.

 

Andere Berufsschullehrer befinden sich in einem Angestelltenverhältnis. Hier richtet sich das Gehalt nach dem Arbeitgeber, der nicht das Land, sondern auch eine Kammer oder eine Innung sein kann. Als Quereinsteiger oder Aushilfslehrer wirst Du meistens gemäß den Richtlinien Deines Arbeitgebers bezahlt.

 

Daneben kommt es bei der Bezahlung auch auf Dein Alter, Deine Ausbildung oder Deinen beruflichen Hintergrund an. Ein Handwerksmeister mit jahrelanger Erfahrung im eigenen Betrieb wird anders bezahlt als ein Geselle mit zwei Jahren Berufspraxis oder ein Absolvent eines zum Berufsbild passenden Studiengangs.

 

Wirst Du verbeamtet, erfolgt Deine Bezahlung gemäß der Besoldungsgruppe A13. Als lediger und kinderloser Berufsschullehrer verdienst Du in Bayern 4.762,91 Euro, im Saarland jedoch nur 3.223,16 Euro. Als Quereinsteiger wird Dein Gehalt unter dieser Summe liegen, nicht zuletzt, weil Sonderbezüge für Beamten wegfallen.

Berufsschullehrer – Ausbildung und Studium

An Berufsschulen fehlen in vielen Fächern Lehrer, sodass Seiteneinsteiger grundsätzlich willkommen sind. Je nach Abschluss und Berufserfahrungen erwirbst Du als Seiteneinsteiger die notwendige pädagogische Kompetenz für den Beruf entweder durch ein Referendariat oder berufsbegleitende Qualifizierungsmaßnahmen.

 

Da die einzelnen Bundesländer ganz unterschiedliche Regelungen für Quereinsteiger haben, solltest Du Dich bei Deinem zuständigen Kultusministerium informieren. Auch über die Dauer der Qualifizierungsmaßnahmen kann keine allgemeingültige Aussage getroffen werden.

 

Hast Du ein Lehramtsstudium inklusive Referendariat bereits absolviert, kommt für Dich der Direkteinstieg infrage. Das ist aber bei den wenigsten Quer- und Seiteneinsteigern der Fall. In einigen Bundesländern musst Du zunächst ein Referendariat mit einer Dauer zwischen 18 und 24 Monaten absolvieren, in anderen gehen die berufsbegleitenden Maßnahmen zwei bis drei Jahre.

 

Im Referendariat geht es besonders um pädagogische und didaktische Inhalte. Die kostenlose Umschulung erfolgt in Vollzeit. Daher solltest Du Dich intensiv über Förderungsmöglichkeiten zur Bestreitung Deines Lebensunterhaltes informieren.

Voraussetzungen als Berufsschullehrer/in

Grundsätzlich bestimmt Dein Ausgangsberuf, in welchen Fächern Du an einer Berufsschule unterrichten kannst. Als Betriebswirt wirst Du an kaufmännischen Berufsschulen eingesetzt und als Ingenieur oder IT-Fachmann in technischen Einrichtungen. Auch Sozialpädagogen haben gute Aussichten.

 

Meistens werden Studienabsolventen bevorzugt, wobei ein Lehramtsabschluss nicht zwingend ist. Manche Bundesländer verlangen von einem Quereinsteiger auch eine gewisse Berufserfahrung oder legen eine Altersgrenze fest. Ein Seiteneinstieg als Berufsschullehrer ist jedoch unter gewissen Umständen für Interessenten aus dem Handwerk mit Meisterprüfung, einem Abschluss als Techniker oder aus Pflegeberufen möglich.

 

Da der Berufsschulunterricht die praktische Ausbildung im Betrieb ergänzt, sind hier immer wieder Leute mit großer Praxiserfahrung gefragt, um Kenntnisse lebensecht zu vermitteln. Manche, die als Berufsschullehrer anfangen möchten, haben bereits eine Weiterbildung zum Berufspädagogen oder ein berufsbegleitendes Studium absolviert. Leichter ist der Quereinstieg, wenn Du darüber nachdenkst, nebenberuflich als Berufsschullehrer zu unterrichten.

 

Gut ausgebildete Fachkräfte können durch ihre Kompetenz einen wichtigen Beitrag zur Ausbildung junger Leute leisten. So kann trotz Lehrermangel an Berufsschulen eine qualitativ hochwertige Versorgung mit Unterricht gewährleistet werden. Aufgrund der unterschiedlichen Hintergründe der Interessenten und der vielfältigen Anforderungsprofile, die an einen Berufsschullehrer gestellt werden, solltest Du Dich mit der entsprechenden Stelle im Kultusministerium in Verbindung setzen und Dich beraten lassen.

 

Neben den fachlichen Voraussetzungen als Berufsschullehrer ist auch die menschliche Komponente entscheidend. Viele Berufsschüler sind dem Schulalter eigentlich schon entwachsen und sehen die Unterrichtsstunden als lästige Pflichtübung. Auch der Klassenmix aus unterschiedlichem Alter, Herkunft und sozialem Umfeld kann eine Herausforderung darstellen. Du solltest daher eine echte Leidenschaft dafür mitbringen, junge Menschen begeistern zu wollen und den Unterrichtsstoff interessant und praxisnah zu vermitteln.

Bewerbung als Berufsschullehrer/in

Wenn Du darüber nachdenkst, Berufsschullehrer zu werden, ist das Kultusministerium in Deinem Bundesland die erste Anlaufstelle. Hier kann man Dir Auskunft zu den Voraussetzungen und den angebotenen Qualifizierungsmaßnahmen für Seiteneinsteiger geben. Da in vielen Fächern der Lehrermangel mittlerweile akut ist, sind oft Stellenanzeigen schon so formuliert, dass Quereinsteiger zur Bewerbung ermutigt werden.

 

In der Ausschreibung ist dann zum Beispiel auch angegeben, wie die Zusatzqualifizierung nach erfolgreicher Bewerbung gestaltet wird. Innungen und Kammern haben ihre eigenen Regularien für Berufsschullehrer und auch eine Nachfrage bei Deinem Berufsverband kann sich lohnen. Denn oft gibt es hier noch einmal spezielle Angebote für Quereinsteiger, die unterrichten wollen.

 

Daneben sind private Institutionen in der Berufsausbildung, zum Beispiel Fachschulen und Akademien, interessant. Hier kann es sich lohnen, direkt nachzufragen oder nach entsprechenden Stellenangeboten Ausschau zu halten.

 

In Deiner Bewerbung musst Du nicht nur eine entsprechende fachliche Qualifikation nachweisen, sondern auch Deine Motivation für eine Tätigkeit als Berufsschullehrer darlegen.

Perspektive für dieses Berufsbild

Der allgemeine Lehrermangel in Deutschland wird im Bereich Berufsschule besonders deutlich. Die meisten Lehramtsstudenten ziehen es vor, nach ihrem Abschluss an allgemein bildenden Schulen zu arbeiten. Schon jetzt übersteigt die Anzahl der offenen Stellen die der Bewerber und für die Zukunft ist zu erwarten, dass sich diese Kluft weiter vergrößern wird. Viele Bundesländer haben aus diesem Grund schon die Altersgrenze für Quereinsteiger angehoben.

 

So hast Du in Hessen noch mit 50 Jahren die Möglichkeit, als Berufsschullehrer anzufangen. Gleichzeitig wird dieser Beruf auch für junge Menschen interessanter, die sich noch in der Ausbildung oder im Studium befinden. Als Berufsschullehrer kannst Du mit einem sicheren Job mit festen Arbeits- und Ferienzeiten rechnen und einer Bezahlung, die besser ist als die vieler Anbieter in der freien Wirtschaft. Der Lehrermangel wird zudem dazu führen, dass in Zukunft die Tätigkeit als Berufsschullehrer finanziell noch lukrativer wird, um kompetente Fachkräfte für den Unterricht zu gewinnen.